Mobbing – und ein Leben danach

Ein sehr sensibles Thema, auch aus meinem Leben. 

Mobbing, ob nun offline oder heutzutage auch massiv online, ist ein furchtbares Thema. Das es schlimmer denn je ist, ist unsagbar traurig und für mich unverständlich.
Aber fangen wir von vorne an.

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Ich könnte diesen Eintrag gar nicht schreiben, wenn ich nicht irgendwie, irgendwann selber mal „Geschädigte“ war oder…?
Aber ich habe extra für diesen Eintrag auch mit anderen Betroffenen über ihre Erfahrungen gesprochen, aus dem Studienalltag, Berufsleben, Schulzeit, Online…
Einfach um ein breiteres Spektrum zu erfassen.
Im Laufe der Gespräche musste ich feststellen, dass die Welt …nein… Mitmenschen unglaublich grausam sein können.
Immer noch frag ich mich ein Stückweit wofür bzw. warum Menschen das tun.
Die einzige Antwort, die ich bis heute gefunden habe war die, dass diese Personen nur um eigene Ziele zu erreichen über Leichen gehen würden, manche es tun einfach nur um sich besser zu fühlen und um ihr Selbstwertgefühl aufzubauen oder im Zweifelsfall um nicht selber als Opfer zu enden (zu diesen Antworten musste ich mich allerdings erst belesen!).
Also einfach aus egoistischen Beweggründen. Nichts daran ist emphatisch und genau das ist das Traurige daran.

*Durchatme*

Ja auch heute noch trifft mich dieses Thema sehr. Einfach weil es immens viel Unverständnis in mir aufruft und viele Fragen aufwirbelt, die ich auch heute noch nicht 100% beantworten kann, die da zum Beispiel wären:

  • Warum hat man das Bedürfnis seinen Mitschüler allein dar stehen zu lassen?
  • Warum hat man Freude daran, jemand anderen öffentlich und vor möglichst vielen anderen hässlich, assi, fett zu nennen? 
  • Was fühlt man dabei, wenn man in einer Gruppe von fünf mit dem Finger auf jemanden zeigt und „du stinkst“ ruft? 
  • Was ist das für ein Gefühl, wenn man sich täglich einredet, dass nur eine Person verantwortlich am Leid eines ganzen Teams sein soll. 
  • Wie fühlt man sich, wenn man als Mitschüler dem anderen Kind, was sich eh schon nichts leisten kann, noch zeigt, wie „wertlos“ es ist? 
  • Was bewegt jemanden dazu, öffentlich zu schreiben „Die zieht sich für Geld aus.“?
  • Was gibt es einem, online öffentlich jemanden schlecht zu machen?  
  • Wieso sorgt man bei der Arbeit dafür, dass ein Kollege vor dem Chef schlecht dar steht, indem man vorgibt er habe alles falsch gemacht oder Arbeit nicht erledigt (und lässt diese verschwinden). 
  • Wieso glaubt man, bezw redet sich wirklich wirksam ein, dass das alles überhaupt gar nicht schlimm ist? Es ist „halt ehrlich“ und „wer mit Ehrlichkeit ein Problem hat, ist halt selber das Problem.“ 

Diese Liste könnte ich noch ewig weiter führen und würde sie am liebsten Menschen unter die Nase halten, die andere Menschen mobben. Aber die Antworten wären in den meisten Fällen doch die selben. „Wieso, ist doch nicht so schlimm?“, „Hab ich gar nicht so gemeint, wie du es jetzt auffässt“ oder eben „die Erhlichkeits-schiene“.
Aber … ma so „ganz ehrlich“, wie ihr es immer wollt, das ist ein pures Schönreden „eurerseits“. Egoistischen Uneingeständnis, dass ihr ganz eindeutig Scheiße wart (oder seid).

Jemanden öffentlich (vor anderen!!!) herabzusetzen ist ein deutliches Zeichen von Schwäche. Punkt.
In dem Moment indem man hässliche Worte gegen jemand anderes richtet, will man sich besser fühlen. Neid, Missgunst oder auch einfach der Gedanke gerade der Größte der Gruppe zu sein bekräftigt einen, jemand anderen herab zu setzen. Das ist also in jedem Fall nichts, worauf man stolz sein könnte oder etwas, was man mit Freude seinen Enkeln erzählen sollte.
Allen Betroffenen will ich mit dem Post also wenigstens auf den Weg geben, DAS PROBLEM SEID NICHT IHR!!!
Kein Mensch muss so sein, wie andere es Wünschen. Wenn andere einen nicht mögen oder gar ein „Problem“ sehen, bleibt ihnen frei, einen großen Bogen um euch zu machen! Dazu muss man aber zuvor nicht noch alle Mitmenschen davon überzeugen, dass ihr ein Problem seid. ;-)

Oft sind es nur „Worte“, mit denen andere agieren, verletzten. Etwas, was einen eigentlich nicht erreichen muss, wenn man nicht will.
Leider kennt man die Menschen, die man verletzt oftmals überhaupt nicht und weiß nicht, was Worte anrichten können, in einem Geist, der vielleicht schon gebrochen ist.
Warum reagiert er/sie nur mit Lachen? Wieso ist er/sie so albern, obwohl man ganz eindeutig hässlich zu ihm/ihr ist.
( Genau diese Punkte durfte ich mir als Vorwürfen damals „in ernsten Gesprächen“ übrigens anhören.
Das sich diese Frage keiner beantworten konnte, zeigt mir heute nur, wie unsicher und … uneinsichtig … und -zu gern würd ich noch ein anderen Wort nutzen- … die Menschen damals waren und dass sie ihre Gefühle von Unverständnis mir gegenüber in sich schlecht verarbeiten konnten. )
Was für ein Leben steht hinter dieser Person. Was steckt hinter diesem Menschen?
Wieso wert sich jemand immens gegen ungehaltene Vorwürfe?
Wieso trifft es diese Person, dass man sie hässlich/assi/dumm/dick nennt?
Ja warum eigentlich? Macht man sich darüber Gedanken, wenn man jemanden vermeidlich treffen will? Nein natürlich nicht. Sollte man aber! Sollte man ganz dringend!

Ich weiß nicht, ob die Menschen von damals wussten oder verstanden hatten, was mich dazu verleitet hat, trotzdem in ihrer Nähe sein zu wollen. Was hinter meiner Fassade „abging“.
Aber man sollte darüber nachdenken, bevor man anfängt gemein zu sein.
„Wieso ist sie dick? Ist sie traurig, was hat sie erlebt? Warum meidet sie sexy zu sein? Was treibt sie dazu extrem sexy sein zu wollen? Warum weint sie nie? (Alternativ darf gerne ein „er“ eingesetzt werden)“
Was könnte dem Menschen in seinem Leben schon vorher passiert sein? Schwerer Autounfall mit Todesfolge in Familie oder Freundeskreis, Sexuelle Belästigung, Entführung… Lächerlich? Nur weil es dir nie passiert ist?
Das sind Fragen, die man sich stellen sollte, immer dann und bevor man den Gedanken hegt jemanden nieder zu machen.
Menschenseelen sind so zerbrechlich. Junge Menschenseelen noch ein bisschen mehr… Und sie können schweigen, wenn sie nirgends ein Ufer finden. Und DU, der du mobbst, bist bestimmt der letzte, dem man seine Schwächen zeigen will.

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Leider habe ich in meinen Gesprächen kein Mobbing-opfer gefunden, was nach dieser Zeit keine starken(!) Blessuren davon getragen hat. Nicht eins. Die größten sind starke Selbstzweifel, Ängste allein zu sein, ausgeschlossen werden… Ganz furchtbare Dinge, unter denen eigentlich keiner sein Leben lang leiden sollte. Man tut es aber, mal weniger mal mehr.
Viele versuchen nach dieser Zeit ihre Erlebnisse mit Therapien zu verarbeiten. Oder haben einen starken Freundeskreis, der sie unheimlich wieder aufbaut. Sie finden Wege sich selber zu Endtraumatisieren (Ja auch diese Worte sind gefallen!).
Willst du als Mobber wirklich, das jemand so leidet? Willst du ein Leben so negativ beeinflussen? Sollte das dein Bestreben sein, bist du für mich einfach nur ein ganz widerlicher kleiner Mensch mit absolut keinem Ephantie-empfinden.

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Warum ich als Fotografin darüber schreibe?

Zwischen all dem Unverständnis, der sich über die Zeit in mir breit machte, wuchs ein Wunsch heran.
Ich wollte als junger Mensch schon der Menschheit etwas Schönes erschaffen. Ich hatte keinen konkreten Plan wie oder was, ich wusste nur, es muss kreativ sein. Denn nur kreative Dinge erreichen Menschen im Herzen. Das wollte ich. Schauspielerin, Autorin, Regisseurin, Maler? Egal, hauptsache ich konnte Menschen in ihrem Inneren erreichen. Ich wollte Menschen zum Träumen bringen.

Das ich Fotografin werde, wurde erst sehr viel später klar.
Das ich damit Menschen erreiche und ich somit mein Wunsch erreicht hatte, wurde mir erst im Laufe der Zeit bewusst.
Aber, dass ich mit der Fotografie und meiner Vorgeschichte gebrochenen Seelen wieder zu einem positiven Selbstwertgefühl verhelfen kann, das wurde mir mit dem Gedanken, diesen Blogeintrag zu verfassen erst klar. <3

(Ps: Ein Grund übrigens, weshalb ich die Distel, das hässliche Blümelein lange Zeit als Erkennungsbild hatte. ❤ )