Man nannte uns Generation „Why“, weil wir alles in Frage stellen.


Aber etwas was wir noch viiiiel besser können,
als alles in Frage zu stellen, ist es uns „selbst“ dar zu stellen…
und das ohne uns zu Fragen, ob das Not tut. ;-)

 

Warum ich mir einbilde, einen Blogeintrag darüber verfassen zu können? Bilde ich mir gar nicht ein. Ich werde jetzt einfach über einige meiner Erfahrungen und Eindrücke, die ich bei meiner jahrelangen Facebook-nutzung gesammelt habe philosophieren. :-) Diese Erfahrungen sind nicht weltformend und bestimmt nicht in Stein gemeißelt, es sind halt einfach meine Erfahrungen und Eindrücke.
Was das ganze mit Fotografie zu tun hat und warum das dann noch auf einem Fotografen-blog landet? Selbstdarstellung passiert nicht nur in Wort sondern auch in Bild… Sehr oft sogar in Bild (Selfies), wo sich mir die Nackenhaare hochstellen. Ich hoffe einfach, dass ich damit einige erreiche, die diese Gesellschaftsform oder Generationsform(?) hinterfragen und das Internet wieder ein bisschen eleganter gestallten und von 0/8/15 Selfies abstand nehmen. (Und insgeheim hoffe ich, dass die Arbeit richtiger Fotografen wieder geschätzt und gefördert wird, indem man sich das spastische Selfie spart und man sich endlich mal wieder positiv und natürlich „präsentiert“, wenn man sich schon präsentieren will.)

Selfies sind schnell, Selfies sind praktisch, Selfies sind toll… Solange sie Erinnerungen festhalten.
Aber viel zu oft werden Selfies heutzutage zur Selbstdarstellung genutzt (Und ja, auch ich erwisch‘ mich dabei).
Zu Anfang ging es darum, wer das schönste Essen im Restaurant serviert kriegt. Hab ich auch versucht, habs genau zweimal geschafft, die anderen Male war ich einfach hungrig (ich dachte, das müsste man wohl sein, wenn man schon essen geht) und hab gegessen und gar nicht ans Foto machen gedacht. Vielleicht fang ich einfach mal eine Serie „So sieht der Teller leer gegessen aus“ an. :-P
Dann ging es darum, wer zu Hause am besten, am aufwendigsten, am schönsten pflanzen/basteln/backen kann. (Ich glaube, bis vor 5 Jahren wusste kaum einer was Fondant ist, heute kriegt man das in Bastelläden gekauft… *weird*).
Immer geht es dabei darum Aufmerksamkeit von Freunden, von Familie, ja sogar von Fremden zu ergattern… Ganze Blogs werden geboren. Natürlich nur unter dem Deckmantel anderen etwas beizubringen. ;-)
Tu ich auch. ;-) … (Nein Himmel ehrlich, der Blog existiert um mich und meine Fotografie zu präsentieren und meine Homepage zu vermarkten und ganz manchmal um meine Gedankenkotze loszuwerden, wie hier. ;-) )

Aber am einfachsten und schnellsten funktioniert dieses selber Darstellen immer noch über Facebook…Instagram…Snapchat…Tumblr und wie sie alle heißen. Foto gemacht, hochladen, „oh´s“ und „ah´s“ einheimsen und zufrieden ausatmen… Wie eine Sucht.
Aber auch das reicht vielen schon lange nicht mehr oder hat einigen eh schon nicht gereicht. Nein, heutzutage findet man Profile, die so spektakulär mit Selfies zugetackert sind, dass man schon gar nicht mehr umher kommt zu denken: „Na Mädel (oder Junge), siehst du außer dir selber eigentlich noch was anderes auf dieser Welt?“.  Die Welt wird zugespamt von selbstdarstellenden Selfies und das weitaus erschreckendere daran ist, die kriegen mehr Aufmerksamkeit als alles andere, was man so findet. Das heißt, wir unterstützen sowas auch noch, statt es zu ignorieren. O__O

Leider scheint das Ganze völlig auszuarten, sodass viele den Bezug zur Realität schon völlig verloren haben. Früher wollte man nur mal kurz auffallen. Heute will man mit purer Macht auffallen und deshalb zieht man von einem Extrem ins Nächste…
Sport non-stop, höher, schneller, besser.
Abnehmen non-stop, flacher, schneller, „gesünder“.
Leben non-stop, geiler, besser, schöner als andere.
Und hoch im Rennen dabei ist sein Sein mit viel Haut zu präsentieren. Und das auf immer plumpere Art und Weise.

Einige Beispiele? Sehr gerne:
Ich finde Gruppen, die sich über Cosplays austauschen wollen/sollen in denen plötzlich Brüste in die Kamera gucken um eine Kette zu präsentieren. Die Kette hing um den Hals, schon klar. Die Kette man nicht auf den Tisch legen können oder elegant über zwei drei Steine legen können. Ne, ne … Hauptsache ich guck einer Fremden, die, ich erwähn´s nochmal, ihre Kette zeigen möchte, einmal komplett in den Ausschnitt. Why?
Anderes Beispiel, eine TFP-Shooting Gruppe, zwei Damen suchen Fotografen, die sie ablichten. Akt versteht sich. Stehen nackisch im See…Meer, whatever. Mit drei schwarzen Sternen nachgestempelt mit irgend ner App auf besagten Stellen, Facebook-richtlinien halt. Keine Eleganz, plump geschossen ohne auf Posing oder Licht zu achten, ich vermute Handyschnappschuss. Im Internet…….. Was zur Hölle? Und wenn man fragt, was da nicht richtig läuft, dann „soll man ruhig bleiben“, ja nicht „so prüde“ sein, „man soll sich nicht so haben, wir hätten schließlich nicht mehr das 19 Jahrhundert“…
Das sind bloß zwei Erfahrungen, von heute. Ja, nur von heute! Ich meine, denen muss doch bewusst sein, das deren Körper nun für immer von Herrn Google gefressen wurde? …

Wie weit das ganze wohl noch gehen wird? Gibt es eigentlich ein noch weiter?
Nackte Menschen überall, Menschen die sich gegenseitig versuchen zu übertrumpfen im Fit sein, im schlank sein, im hübsch sein. Menschen (noch unnackt) die sich dabei filmen, am Rande der Schlucht zu stehen/gehen (Wer nicht weiß -> hier oder hier oder hier ). Menschen, die Tiere dazu nutzen Selfies zu machen. (Jeder kennt die Geschichte mit dem zu Tode geselfie´ten Schwan? Falls nicht -> hier  ) Gibt es überhaupt noch eine Grenze?

Wahrscheinlich nicht, wir sind am Ende der Selfie-Kette angekommen, wir können aufhören. Man muss nicht immer der/die tollste sein und es jedem zeigen. Es reicht man selbst zu sein und auf sich selbst stolz zu sein und sich selber über etwas schönes zu freuen, man muss nicht erst die Meinung anderer abwarten damit man in völlige Extase geraten kann.
Fangt an wieder euer Leben zu leben. Fangt an, eure Sinne zu nutzen um Erinnerungen im Kopf zu behalten. Riecht die (hoffentlich) frische Luft wo ihr grade seid, hört die Musik, die zu dem Zeitpunkt lief, spürt die Gänsehaut beim nächsten Adrenalinstoß … und kostet das ganz für euch alleine aus. Konzentriert euch wieder darauf etwas, nein jemand zu sein, ohne es von anderen bestätigt zu bekommen.
Und die Erinnerung, wie ihr euch gefühlt habt könnt ihr sowieso nicht als Selfie festhalten. Sollte es Momente geben, die ihr wirklich wichtig findet, die andere sehen sollen, nehmt einen Fotografen mit, der für euch Bilder macht, damit ihr weiter fühlen könnt, während jemand anderes für euch Momente einfriert. Geschmackvoll … Ohne Handy.

(Ha, den Bogen hab ich gut zu ’nem Kreis geschlossen, wa ;-) )

_____________________

PS zum Bild: eins meiner Erinnerungen ;-) … So aufgeregt war ich glaub ich noch nie, beim Foto machen, und so gestresst. ;-) (Kann man (bald) kaufen -> hier)